Wie die Perleberg Saga zu ihrem Namen kam
Unser 30. Hochzeitstag stand bevor. Perlenhochzeit nennt man dieses Jubiläum. Was lag da näher, als einmal die Stadt Perleberg in der Prignitz zu besuchen? Nichts! Also ging ich in die Planung.
Doch schon stand das erste Hindernis auf: Wir schrieben das Jahr 2020 und standen mitten in der Corona-Krise. Das bedeutete Hausarrest für ganz Deutschland! Was nun? Gab es Alternativen? Ja, Unternehmungen in der Natur sind erlaubt.
Nun suchten mein Lieblingsmensch und ich nach Möglichkeiten, unseren Jubiläumstag zu gestalten. Was ist in der Natur, interessiert uns und macht Spaß? Zum Glück ist unser Hochzeitsdatum mitten im Sommer, so dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach gutes Wetter haben werden.
Neben einigen, wieder verworfenen, Ideen schälte sich heraus: Wir werden eine Kanutour machen. Der Fluss Stepenitz, der durch Perleberg fließt, wurde ausgewählt.
Bei der Suche nach einem Anbieter, der Kanus ausleiht, bog ich im Internet ab und fand eine Geschichte, die mich interessiert. Wenige Kilometer nördlich von Perleberg wurde das so genannte „Königsgrab von Seddin“ archäologisch untersucht. Spannend. Das mussten wir sehen. Es gehörte ja zu den Dingen, die erlaubt sind.
Der Jubiläumstag fiel auf ein Wochenende und wir starteten an diesem Tag gutgelaunt zu unserem Ziel. Die Straßen waren wie leergefegt. Unsere lieben Mitmenschen hielten sich brav an den verhängten Hausarrest. Wir sonst auch, aber heute war ja etwas Besonderes.
Zuerst steuerten wir das Königsgrab zu Seddin an. Es liegt in einem kleinen Wäldchen vor dem Ort mit diesem Namen und hat nur wenige Häuser. Wir lesen, dass die Ausgrabung auf die jüngere Bronzezeit datiert wird. Das ist so ca. 1000 vor unserer Zeitrechnung. Sehr spannend, dass es in der Prignitz zu der Zeit schon eine Besiedelung gab.
In meinem Kopf ratterte es und der „König“ wohnte hier nicht alleine, sondern hatte ganz viele andere Menschen, die sich in seiner Nähe aufhielten. Meine Ideen teilte ich mit meinem Lieblingsmenschen, der mich fragte: „Sag mal, soll das mal eine Geschichte werden?“ Als Antwort konnte ich ihm nur ein Schulterzucken geben, denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich es noch nicht.
Unsere nächste Station war Wolfshagen. Dort trafen wir uns mit dem Kanuverleiher und setzen dann in die Stepenitz ein. Wir lieben beide das Kanufahren. Waren wir doch schon unzählige Male gemeinsam gefahren und noch nie war etwas passiert.
Der Kanuverleiher machte uns noch auf die Besonderheit aufmerksam, dass die Stepenitz ein naturbelassener Fluss ist und teilweise gut verkrautet sein könnte. Es könnten auch Bäume über dem Fluss liegen, aber seines Wissens nach seien die weggeräumt worden.
Freudig starteten wir unsere Tour. Sanft glitten wir durch das Wasser. Zeitweise eine kleine Herausforderung für meinen Lieblingsmenschen, denn er musste die engen, mäandernden Kurven lenken. Ich gab ab und zu die Richtung an, wenn das Schilfgras den Wasserlauf fast nicht mehr erkennen ließ. Ich brauchte mich beim Paddeln nicht anstrengen, denn wir fuhren mit der Strömung.
Gegen Mittag machten wir, an einem kleinen Stück Wiese, eine Pause. Wir genossen die Ruhe, die sich auf uns senkte, weil wir nur Geräusche der Natur um uns herum vernahmen. Ungefähr die Hälfte der Kilometer hatten wir geschafft und die Sonne wärmte uns wunderbar.
Frisch gestärkt stiegen wir nach einer knappen Stunde wieder in das Kanu. Weiter ging es. Doch dann sahen wir ihn! Ein Baum mit einem Umfang, der mehr war, als ich mit beiden Armen umfassen konnte, lag über dem Fluss. Zur Hälfte im Wasser. Wie kamen wir da jetzt rüber?
Vom Ufergebüsch ragten ein paar biegsame Weidenzweige ins Wasser. Mein Lieblingsmensch zog sich daran hoch und half mir dabei, ebenfalls aus dem Kanu zu kommen. Wackelig standen wir nun auf dem dicken Baum, so ungefähr zehn Zentimeter über dem Wasser.
Gemeinsam ruckelten wir das Kanu Stück für Stück über den Baum. Kurz bevor es wieder ganz ins Wasser glitt, hielt mein Lieblingsmensch es fest und ließ mich wieder einsteigen. Als ich saß, angelte ich mir noch einen weiteren Weidenzweig, um mich und das Kanu festzuhalten, bis auch mein Steuermann auf seinem Sitz Platz genommen hat. Schon war drin, da passiert es:
Wir kenterten!
Verdattert schauten wir uns an. Bis zu den Hüften standen wir beide im Wasser. Zum Glück war es Sommer und schön warm. Jetzt wo wir schon nass waren, drehten wir das Kanu wieder um und schoben es wieder zurück. So konnten wir die restliche Strecke nicht machen. Wir meldeten uns beim Kanuverleiher, dass er uns bitte abholen möge.
Zurück auf unserem Mittagsrastplatz warteten wir. Manöverkritik war angesagt. Beim Reden darüber wurde uns klar, wie es gewesen sein musste. Ungefähr so reimten wir es uns zusammen:
Das Kanu hatte sich beim Einsteigen meines Lieblingsmenschen an der einen hinteren Seite an einem abgebrochenen Ast des dicken Baumes verhakt. Durch mich hatte es Übergewicht auf die andere Seite vorne bekommen. Und innerhalb von wenigen Augenblicken hatte es uns beide quasi gleichzeitig „rausgeschmissen“.
Als wir unsere Wechselkleidung angezogen hatten und uns wieder wohl fühlten, lachen wir. Nun aber fing mein Gehirn wieder an zu rattern. Ich erzählte es meinem Lieblingsmenschen und er fragte: „Na, willst du darüber eine Geschichte schreiben?“ Auch jetzt zuckte ich wieder mit den Schultern. Aber ich antwortete: „Vielleicht. Vielleicht wird es aber auch ein Buch.“
Es wurde nicht nur ein Buch. Es wurde eine Trilogie und gab der Perleberg Saga ihren Namen.




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