Rosen
Hurtig springe ich aus dem Bett. Gut geschlafen und gut gelaunt schlüpfe ich in meine Kleidung. Wie ich das Fenster zum Lüften aufmache, höre ich in der Nebenstraße das Müllauto.
Oh, denke ich, ich muss meinen Mülleimer noch rausstellen. Gedacht, getan. Ich schnappe mir noch kurz die halbvolle Mülltüte aus dem Bad, packe sie obenauf und stelle dann die Tonne an unseren Grundstücksrand.
Nun kann ich meinen Tee trinken und mich ein wenig meiner Schreiberei widmen. Darauf habe ich große Lust und es läuft heute auch wirklich besonders gut. Ich grinse vor mich hin. Jede geschriebene Zeile bringt mein aktuelles Projekt voran. Ich bin so konzentriert, dass ich mehr als zwei Stunden später fast die Haustürklingel überhöre. Kurz den Text noch speichern, dann aufspringen und die Tür öffnen.
Draußen steht mein Nachbar. Ich kann noch nicht mal „Guten Tag“ sagen, da poltert er schon los.
„Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind? Das kann ja wohl nicht angehen, dass Sie Ihre Mülltonne in meine Einfahrt stellen! Machen Sie das nie wieder. Das wird Konsequenzen haben! Wegen Ihnen hat mein neues Auto jetzt Kratzer. Das wird Sie was kosten! Das sag ich Ihnen!“
Er schüttelt noch seine Faust direkt vor meinem Gesicht, dann stampft er weg in Richtung seines Hauses.
Ich bin total verdattert. Dann fällt mir ein, dass ich meine Mülltonne noch aufräumen könnte. Während die Rollen der Tonne über das Pflaster unserer Einfahrt klacken, überlege ich, was wohl passiert sein könnte. Mir fällt nur ein, dass die Leute von der Müllabfuhr meine Tonne vielleicht versehentlich auf das Grundstück des Nachbarn gestellt haben. Aber da kann ich doch nichts dafür! Ich habe einen schalen Geschmack im Mund, der mir anzeigt, dass ich hier etwas ausbaden muss, für das ich gar nichts kann.
Zurück im Haus setze ich mich gedankenverloren an meinen Text und will weitermachen. Aber die Freude an meinem Schreiben ist weg, wie Nebel in der Sonne.
Es klingelt ein zweites Mal. Ich überlege, ob ich überhaupt öffnen soll. Es steht mir nicht der Sinn danach, mich noch einmal runterputzen zu lassen. Nun ja. Es kann ja auch jemand anders sein. Also gehe ich an die Haustür. Langsam öffne ich einen Spalt und linse hinaus. Da sehe ich die Frau des Nachbarn um unsere Hausecke verschwinden.
Gerade will ich die Tür wieder zumachen, da fällt mein Blick auf einen großen Strauß wunderschöner Rosen. Ich nehme ihn auf und gehe damit ins Haus. Wenige Minuten später habe ich den Strauß in eine hübsche Vase gestellt. Nun ziert er meinen Esstisch.
Ich würde mich ja gerne über die hübschen Rosen freuen. Aber ich kann es nicht! Sie erinnern mich daran, was passiert ist. Der schale Geschmack in meinem Mund bleibt. Wahrscheinlich so lange, bis die Rosen verwelkt sind und ich sie entsorge.
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Hast du so etwas auch schon einmal erlebt? Schreib es mir doch gerne in einem Kommentar.








Na, das ist ja mal wieder voll aus dem Leben gegriffen! Etwas Ähnliches mir auch schon passiert, allerdings war ich der böse Nachbar. Immerhin hatte ich damals mit 23 Jahren schon den Mut, mich selber zu entschuldigen. Hm, ich hatte auch keine Frau zum Vorschicken…
Tja. Jede Aktion zieht eine Reaktion nach sich. Manchmal eine, die völlig überraschend und anders ist. Gut, dass du mit 23 Jahren schon anders warst, als mein Nachbar.
Oh wow, dein Nachbar ist aber sehr speziell und leicht aus der Fassung zu bringen. Schade, dass er sich für seine Eskalation nicht mal selbst entschuldig und die Ehefrau das übernimmt, so bleibt natürlich der schale Geschmack.
Ich wette, er hat sie nicht mal geschickt, sondern sie ist aus Scham über ihren Mann aus eigenen Stücken gekommen.
Hab einen schönen Tag
Antonette
Liebe Antonette,
wahrscheinlich hast du mit deiner Vermutung recht.