Wir haben unseren Hund noch nicht lange und schon wird mir klar: Wenn das was richtiges werden soll, dann brauchen wir klare Regeln. Das Fellpacket Leika ist nämlich kein Schoßhund, sondern braucht etwas mehr Platz. Die Ecke im Flur bei der Haustür ist am besten dafür geeignet. Eigentlich wissen das unsere Kinder, aber ich will sie nochmal erinnern.

„Mädels“, sage ich nach dem Abendbrot, bevor sie mir entwischen. „Die Leika schläft im Flur. Jeder von uns hat sein eigenes Bett und auch die Hündin braucht ihren Platz.“ Zur Unterstützung meiner mütterlichen Kompetenz hebe ich die Hand und schüttle den Zeigefinger.

Die beiden großen sagen „OK“ und verschwinden in ihren Zimmern. Die dritte meint: „Na klar. Ist doch selbstverständlich.“ Und die Jüngste meint: „Ich will sie auch nicht auf dem Teppich in unserem Zimmer. Der wird sonst bloß dreckig.“

Ich bin zuversichtlich, dass die Kinder es verstanden haben. Schließlich sind sie alle schon fast im Teenager-Alter.

Am späten Abend mache ich noch eine kleine Gassirunde mit der Hündin. Dann schicke ich sie an ihren Platz. Bevor ich in meinem eigenen Bett verschwinde, gehe ich noch die abendliche Runde durch die Kinderzimmer. Überall ist schon Ruhe. Alles scheint zu schlafen. Auch die beiden Kleinen, die ein Zimmer miteinander teilen. Wenig später versinke ich in meinen Federn und meine Äuglein fallen zu.

Es ist noch tief in der Nacht und stockdunkel, als ich wach werde. Irgendetwas schnarcht hier in meiner Nähe. Mein Lieblingsmensch kann es nicht sein, denn das Geräusch kommt von etwas weiter her. Bis ich von meinem halbwachen Zustand soweit munter werde, dass ich aufstehe, dauert es eine Weile. Dann tapse ich mit nackten Füßen aus dem Zimmer. Mit den Händen taste ich mich an der Wand entlang immer näher auf das Geräusch zu. Es kommt aus dem Zimmer, in dem die beiden Kleinen schlafen.

Mein auf Minimum laufendes Gehirn registriert, dass das Geräusch vom Fußboden her kommt. Ich frage mich, ob eins der Kinder aus dem Bett gefallen ist. Hoffentlich ist nichts passiert. Aber ich habe doch nichts rumpeln gehört! Der Schreck fährt mir in die Glieder und ich bin deutlich wacher als noch kurz zuvor. Vielleicht muss ich das Kind ja wieder in sein Bett legen!

Ich breite meine Arme aus und versuche das schnarchende Kind hochzuheben. Doch dann greife ich in warmes, weiches Hundefell. Leise, aber doch sehr bestimmt flüstere ich Leika zu: „Aber jetzt sofort ab auf deinen Platz!“ Sie merkt meinen Ärger und schleicht sich dorthin.

Nun kontrolliere ich doch noch die schlafenden Kinder in ihren Betten. Alles ist in Ordnung. Dann schleiche ich in mein Bett zurück und nehme mir vor, die Schuldige am nächsten Tag eine extra Arbeit im Haus machen zu lassen.

Der Rest der Nacht vergeht schnell und auch der Vormittag. Zum Frühstück habe ich keine Gelegenheit, mir die Mädchen vorzuknöpfen. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind sie alle schnell aus dem Haus und auf dem Weg zur Schule. Nun ja. Der Mittag kommt bestimmt und die Mädchen wieder nach Hause. Die Übeltäterin wird ihrer Strafe nicht entgehen.

Beim Mittagessen, als alle hungrig ihre Eierpfannkuchen verspeisen, nehme ich sie mit meinen Augen ins Visier. „Wer von euch hat heute Nacht die Hündin mit auf das Zimmer genommen?“

Ich ernte von allen Unschuldsminen. Das war mir klar.

Doch dann rutscht die Jüngste auf ihrem Stuhl hin und her. Sie kann nicht mehr schweigen und plappert los: „Die war’s!“ Sie zeigt mit dem Finger auf ihre Schwester, die ihr eine Nase zieht.

Mit gerunzelter Stirn schaue ich die Übeltäterin an. „Du weißt, dass du gegen die Regel verstoßen hast?!“

Sie zuckt die Schultern. „Aber Mami. Da kann ich gar nichts für. Leika kam von ganz alleine! Ich hab sie einfach nur nicht weggeschickt.“

Ich muss in mich reinschmunzeln, versuche aber, ernst zu bleiben. So oder so muss das Mädel eine Konsequenz spüren. „Und weil du das nicht gemacht hast, liegen da jetzt etliche Hundehaare auf eurem Teppich. Du wirst also heute euer Zimmer staubsaugen.“

Die Schuldige verzieht das Gesicht. Sie ist darüber nicht begeistert. Aber später am Nachmittag höre ich sie singend mit dem Staubsauger in ihrem Zimmer hantieren.

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Wenn Kinder sich verplappern, kommt in der Regel die Wahrheit ans Licht. Ist dir das auch schon so begegnet? Schreib mir gerne einen Kommentar.

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Diese Geschichte entstand in der Blognacht mit Anna Koschinski.

Gegen 9 Uhr am Vormittag kutschiert sie ihr, gerade mal einen Monat altes, Auto ins Parkhaus. In Gedanken geht sie den Einkaufszettel durch. Das ist nicht viel, überlegt sie. In spätestens einer Stunde müsste ich fertig sein. Dann kann ich noch Fenster putzen und einen Krankenbesuch machen.

Da! Sie hat eine Parklücke erspäht, setzt den Blinker und platziert ihren Neuen punktgenau hinein. Tasche aus dem Kofferraum holen und dann zügig hinein in den Laden, der sich unter dem Parkhaus befindet. Sie ist schnell durch die Reihen gehuscht und hat eingesammelt, was sie braucht. An der Kasse schaut sie auf die Uhr. Etwas mehr als eine halbe Stunde ist vergangen. Da kann ich ja noch kurz zur Bank gegenüber huschen und noch ein bisschen Bargeld abheben. Man weiß ja nie, wenn man überraschenderweise welches braucht.

Gesagt, getan. Die Stunde ist noch nicht um, da ist sie wieder im Parkhaus. Sie bezahlt am Automat und steuert schnurstracks ihr neues Auto an. Schon von Weitem sieht sie etwas unter dem Scheibenwischer an der Windschutzscheibe klemmen. Sie runzelt die Stirn. Was ist denn das? Ein Strafzettel? Nein. Zum Glück nicht. Aber erfreuliches steht nicht auf dem Papier, das aus einem Notizblock ausgerissen zu sein scheint. Sie stellt ihre Einkäufe auf den Boden und liest ihn.

„Es tut mir leid, dass ich beim Ausparken an Ihr Auto gekommen bin. Es sind nur ein paar Kratzer. Ich habe es bei der Polizei gemeldet. Bitte nehmen Sie Kontakt mir mir auf.“ Darunter stand ein Name und eine Handynummer.

Sie geht ums Auto herum. Ärgerlich sieht sie sich die „paar Kratzer“ an der Beifahrertür an. Nun ja. Der Verursacher hatte sich wenigstens zu seiner Tat bekannt. Sie packt ihre Einkäufe in den Kofferraum und tippt die Nummer. Ein älterer Herr ist dran. Er entschuldigt sich noch mehrere Male. Es scheint ihm wirklich peinlich. Schließlich fragt er: „Können wir das ohne Versicherung klären? Ich habe es zwar schon gemeldet, aber wenn der Schaden nicht so hoch ist, wäre es mir lieber, Ihnen die Summe direkt zu überweisen.“

Nicht zu hundert Prozent einverstanden, sagt sie jedoch zu. Immerhin war der Mann ehrlich gewesen. Andere wären vielleicht einfach so davongefahren und hätten sie auf dem Schaden sitzen lassen.

Mit „den paar Kratzern“ fährt sie jetzt aus dem Parkhaus hinaus und steuert die Polizeiwache an. Sie muss sich als Geschädigte dort jedenfalls auch melden. Die nächste halbe Stunde ist sie damit beschäftigt, an der engen Straße, in der sich die Polizei befindet, einen Parkplatz zu suchen. Alles voll. Endlich stellt sie sich vor ein Privatgrundstück auf einen Anliegerparkplatz. Zettel gesucht und in ihre Windschutzscheibe gelegt. „Bin bei der Polizei. Bitte melden, wenn etwas ist“, hat sie draufgeschrieben und ihre Handynummer mit angegeben. Dann nichts wie rein, auf die Wache.

Die Beamtin ihr gegenüber ist völlig irritiert. Von ihrem Fall hat sie keine Ahnung. Nach mehreren Telefonaten mit ihren Kollegen erhält sie die Information, dass es zwar bekannt ist, aber noch nicht im Computersystem eingepflegt. Bis die junge Polizistin ihre Daten und die von dem Verursacher aufgenommen hat, geht die Uhr bereits auf Mittag zu. In Gedanken streicht sie das Fenster putzen. Für den Krankenbesuch hat sie vielleicht noch Zeit.

Endlich ist sie draußen. Zum Glück hat sich niemand bei ihr gemeldet. Erleichtert steigt sie in ihr Auto, das ja nur ein paar Kratzer hat, nimmt ihren Zettel und zerknüllt ihn. Ab nach Hause, denkt sie und parkt galant aus. Auf dem Weg nach Hause knurrt ihr Magen so laut wie ihre Gedanken. Wegen dieser Sache, ist sie ganz aus ihrer Planung gefallen.

Zuhause angekommen verstaut sie die Einkäufe und kocht sich schnell nebenbei eine Suppe. Während sie eine Kleinigkeit isst, überlegt sie, ihre Werkstatt anzurufen. Als der Suppenteller leer ist, wäscht sie ihn kurz ab und räumt ihn weg. Auf der Suche nach ihrem Adressbuch fällt ihr ein, dass es ihre bisherige Werkstatt nicht mehr gibt. Wegen fehlendem Nachfolger und hohem Alter, hat der Senior erst vor kurzem aufgehört. Was nun? Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als eine neue zu suchen. Sie befragt das Internet und erhält mehrere Adressen.

Die Zeit läuft, als sie bei der ersten in der Warteschleife hängt. Endlich erhält sie die Auskunft: „Wir nehmen zur Zeit keine neuen Kunden an. Wir sind schon überlastet. Melden Sie sich ein etwa einem halben Jahr wieder, dann könnte es klappen.“ Nun ja. Sie hat ja noch zwei weitere Nummern, die sie versuchen kann. Bevor sie die jedoch wählt, sagt sie den geplanten Krankenbesuch ab.

Bei der nächsten Werkstatt erhält sie den Bescheid, dass sie erst einmal Fotos schicken soll, von dem Schaden, damit ein Kostenvoranschlag gemacht werden kann. Das könne dauern, war die Mitteilung, denn der zuständige Mitarbeiter sei gerade in Urlaub. Seufzend legt sie auf und versucht die dritte Nummer. Ein freundlicher Mann ist am anderen Ende der Leitung und sagt: „Können Sie gleich vorbeikommen? Wir können dann hier alles regeln.“ Froh sagt sie zu, stellt dann aber fest, dass diese Werkstatt am weitesten weg ist. Das „gleich vorbeikommen“ würde eine halbe Stunde dauern.

Schnell packt sie sich noch etwas zu knabbern und zu trinken ein. Wer weiß, wie lange das dauern wird, überlegt sie und fährt los. Als sie ankommt, empfängt sie derselbe freundliche Mann, wie am Telefon. Mit fachmännischen Blick untersucht er alles. Dann macht er mit seinem Handy Fotos von allen Seiten und erklärt: „Das ist für die Versicherung.“

„Und was würde es kosten?“ Sie schaut ihn fragend an.

„Hm. Bei knapp 2000 Euro könnten wir schon landen.“

„Da muss ich aber zuerst noch einmal mit dem Verursacher sprechen“, antwortet sie etwas geschockt und zieht ihr Handy heraus. Zum Glück erreicht sie den älteren Herrn vom Vormittag gleich. Auch er ist überrascht. Dann sagt er: „Bei dieser Summe, müssen wir es doch über meine Versicherung regeln.“ Er gibt ihr noch die Schadensnummer durch. Der nette KFZ-Mechaniker notiert diese auf einem Notizblock und reicht ihr dann das Papier, das er für sie ausreißt.

Als er es ihr reicht, sagt er: „Wenn Sie mögen, lassen Sie Ihr Auto hier stehen. Ich werde den Schaden morgen gleich reparieren. Für heute Abend können Sie das Werkstatt-Mietauto mitnehmen, um nach Hause zu kommen. Die Kosten dazu werden ebenfalls über die Versicherung abgerechnet.“

Sie seufzt erleichtert und nimmt das Angebot an. Erschöpft fällt sie am Abend in ihr Bett und denkt: „Was man mit ein paar Kratzer für Arbeit hat, ist allerhand!“

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Hast du auch einmal „nur ein paar Kratzer“ gehabt, die dir dann soviel Arbeit beschert haben oder deine ganze Planung durcheinander gebracht haben? Schreib mir gerne einen Kommentar.

Sie schmunzelt in sich hinein. Wie ein Gockel stolziert er seit Tagen um sie herum. Er hat sich angestrengt und extra für sie mehr Sport gemacht und weniger gegessen. Jetzt hat er einige Kilos abgenommen und fühlt sich richtig gut.

„Zehn Kilo sind es jetzt“, raunt er ihr ins Ohr. Dabei dreht er seinen Ehering, der ziemlich locker auf dem Ringfinger sitzt.

„Glückwunsch! Das ist wunderbar.“ Lächelnd genießt er, wie sie sich im zuwendet und seine herrliche Brustmuskulatur streichelt. „Deinen Ring müsstest du jetzt aber am Daumen tragen.“

„Ach was. Das geht noch. Wenn ich noch ein paar Kilo weniger wiege, dann mach ich das.“

Einige Tage später sitzen die beiden Partner gemeinsam am Tisch und verspeisen ihre Mahlzeit. Als er fertig ist und sein Besteck auf den Teller legt, schaut er sie, wie um Verzeihung bittend, an.

„Was ist?“, fragt sie ihn.

Er zeigt ihr seine Hände und fragt: „Fällt dir etwas auf?“

„Nein. Was soll mir auffallen? Brauchst du ein Pflaster? Hast du dich verletzt?“ Ausgiebig inspiziert sie seine Hände.

Zerknirscht antwortet er: „Mir fehlt mein Ring.“

„Oh. Hast du ihn schon gesucht?“ Sie blickt ihm fragend ins Gesicht.

„Überall, wo ich es mir denken kann.“ Er zuckt die Schultern. „Aber ich habe ihn noch nicht gefunden. Kannst du mir helfen?“

„Klar. Natürlich. Gleich.“ Sie steht auf und beginnt, den Tisch abzuräumen. Er nimmt den Rest des Geschirrs und stellt es in die Küche. Gemeinsam räumen sie auf. Es fällt ihr auf, dass er wie Hündchen ihre Gegenwart sucht. Sein schlechtes Gewissen kann sie fast spüren.

Bei der Suche gehen sie nach ihrer Struktur vor. In allen Räumen der Wohnung werden die Schränke inspiziert und jede mögliche Schublade geöffnet. Auch das Papier und die Zeitungen auf dem Tisch nehmen sie einzeln auseinander und legen sie auf einen neuen Stapel.

Stunden später sitzen sie frustriert auf dem Sofa. Er hängt den Kopf. Sie haben auch zu zweit nichts gefunden. Auch nicht in den Jacken- und Hosentaschen, die auch noch von innen nach außen gekehrt haben.

„Mein schöner Ring“, jammert er. „Jetzt fehlt die Hälfte unserer Eheringe. Ich hätte doch auf dich hören sollen.“

Sie ist sehr traurig. Nach weit über 30 Jahren einen Teil ihrer ersten Eheringe zu verlieren, trifft sie tief ins Herz. Trotzdem versucht sie, ihn aufzumuntern. „Vielleicht finden wir ihn, wenn wir nicht mehr danach suchen. Manchmal passiert das ja.“

Tage später überlegt sie, dass sie endlich einmal die Gefriertruhe abtauen sollte. Dazu müssen aber die letzten Lebensmittel herausgeholt und in das Eisfach des Kühlschranks gepackt werden. Hurtig nimmt sie diese vom Boden der Truhe. Da blitzt sie etwas an. Der Ring! Sie nimmt ihn an sich und steckt ihn in die Tasche. Zum Abendbrot legt sie ihn auf seinen Teller.

„Essen kommen“, ruft sie.

Er kommt herbei und setzt sich. Sein Blick fällt auf den Ring. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht fragt er: „Wo hast du ihn denn gefunden?“

Schelmisch zwinkert sie ihm zu. „Du hattest ihn auf Eis gelegt!“

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Hast du auch einmal etwas verloren, das du an einer völlig unerwarteten Stelle wiedergefunden hast? Schreib es mir gerne in einem Kommentar.

Beim Abendbrot sitzt mein zweijähriger Enkel mir gegenüber auf dem Schoß seiner Mama. Er beobachtet genau, wie ich mit meiner Mama umgehe. Das ist seine Uroma, die neben mir sitzt.

Sie hustet ein wenig. Hat sie sich verschluckt, oder ist das der Anfang einer Erkältung?

„Alles gut?“, frage ich. Sie nickt und hustet fleißig weiter.

„Hände hoch!“, sage ich lachend. „Dann kommt mehr Luft in die Lunge.“

Sie lächelt und reißt so schnell es mit ihren knapp 90 Jahren geht, die Arme hoch. Dann klopfe ich ihr leicht zwischen die Schulterblätter. Wir beide sind miteinander beschäftigt, aber ich merke sehr gut, dass ich unter Beobachtung stehe.

Als die Mama immer noch nicht aufhört zu husten, wird es Zeit, dass ich Abhilfe schaffe. Ich gehe an den Arzneischrank im Bad und hole die Flasche Hustensaft, die für solche Zwecke dort ihr Plätzchen hat. Die Äuglein des Enkels verfolgen mich genau. Bevor ich zurück komme, nehme ich noch einen großen und einen kleinen Löffel aus der Besteckschublade.

Zum Glück ist Mamas Husten in ein Räuspern übergegangen. Ich lege die Löffel auf den Tisch und zeige auf die Flasche, welcher ich bereits den Deckel öffne, und frage: „Einen großen, oder einen kleinen?“ Sie zuckt die Schultern. „Dann nehmen wir den Esslöffel“, sage ich und lasse meinen Worten Taten folgen.

Nach wie vor merke ich, dass ich nicht aus den Augen des Enkels gelassen werde. „So. Schnäbelchen auf, liebe Mama.“ Ich halte ihr den gefüllten Löffel vor den Mund und sie nimmt gehorsam die Medizin. Ein wenig räuspert sie noch, aber dann ist alles gut. Mit wichtiger Mine und erhobenem Zeigefinger sage ich zu meiner Mama: „Wenn du morgen früh noch hustest, bekommst du nochmal einen großen Löffel von diesem Hustensaft.“

Sie nickt lächelnd und sagt: „Ja, ja. Ist gut.“

Nun drehe ich den Deckel der Flasche wieder zu und schiebe den Hustensaft ein Stück von mir weg in Richtung Mitte des Tisches. Ruhig esse ich weiter, dort wo ich vorhin aufgehört habe.

Nun hält es den Kleinen nicht mehr auf dem Schoß der Mama. Er rutscht runter, umrundet den Tisch und die Uroma und drückt sich dann an mich. Und natürlich nehme ich ihn zu mir hoch. Ist ja schön, wenn der Enkel sich auch auf meinem Schoß wohl fühlt.

„Öchö, öchö“, ich höre, wie er hustet und sehe aus den Augenwinkeln, dass er sich fast vornehm die Faust vor den Mund hält. „Öchö, öchö.“

Ich wende mich ihm zu. „Oh. Hast du auch Husten?“ Er nickt heftig und ich klopfe ihm auf den Rücken.

„Öchö, öchö.“ Er hustet weiter und reißt dann die Arme in die Höhe. „Öchö, öchö, öchö, öchö.“ Der Kleine kriegt sich fast nicht ein. Dabei sehe ich ein verschmitztes Lächeln in seinem Gesicht. Seine Mama und ich schauen uns kurz an und zwinkern. „Öchö, öchö.“ Der Kleine hustet weiter. Den Blick fest auf die Hustensaftflache gerichtet.

„Ich glaube, du brauchst auch Hustensaft“, sage ich zu ihm und greife nach der Flasche. Er nickt heftig und die kleinen Händchen greifen schon nach dem kleinen Löffel, der noch neben mir auf dem Tisch liegt.

Fasziniert beobachten kleinen Äuglein jedem Handgriff, den ich jetzt ausführe. Ich weiß, dass dieser Saft völlig ungefährlich ist und in dieser Menge auch einem Zweijährigen nicht schadet, der offensichtlich gar keinen Husten hat. Vorsichtig und doch etwas skeptisch nimmt er dann die kleine Portion Hustensaft vom Löffel. Dabei verzieht er keine Mine.

Kaum geschluckt, geht es wieder los. „Öchö, öchö.“ Seine Äuglein blinken mich an.

„Was ist? Du hustest ja immer noch.“ Er nickt heftig mit dem kleinen Köpfchen und ich tröste ihn mit den Worten: „Wenn du morgen früh noch hustest, bekommst du nochmal einen kleinen Löffel von diesem Hustensaft.“

„Öchö, öchö“, macht er, rutscht von meinem Schoß runter und steuert seine Mama an.

Wenn sie groß ist

Ich schaue auf die Uhr. Gleich Abendbrotzeit und danach wird die Kleine wieder abgeholt. Mein heutiger Enkeltag ist dann leider schon wieder vorbei.

Normalerweise bin ich die gesittete alte Dame, die im Altenheim arbeitet und mein Mann derjenige, der im weißen Hemd zur Arbeit geht. Aber wenn sie da ist, sind mein Mann und ich ohne Pause die Therapeuten Nummer eins zur Beschäftigung unserer Enkeltochter im Vorschulalter. Seit ihre Mutti sie heute Vormittag gebracht hat, ist sie unsere Königin, der wir (fast) alle Wünsche erfüllen.

Ich bin ihre Helferin. Gemeinsam sitzen wir auf dem Sessel und ziehen Puppen jeder Größe an. Ob es passt oder nicht, das ist egal. Es wird passend gemacht. Der Opa ist ihr Tröster, der das Puppenbaby im Arm wiegt, weil es doch gerade so weint.

Ich bin ihre Malerin. Am Schreibtisch in meinem Kreativzimmer schwingen wir gemeinsam den Pinsel und malen das Malbuch aus. Danach wische ich selbstverständlich die Farbflecke weg, die daneben gegangen sind. Der Opa ist ihr Bewunderer, der ihre Werke eingehend mustert und sie dafür lobt.

Ich bin ihre Fahrerin. Gemeinsam krabbeln wir durch die ganze Wohnung und schieben die Spielzeugautos von Opa durch die ganze Wohnung. Er macht die Türen auf, damit wir überall durchkommen. Und wenn die Oma nicht mehr kann, dann ist der Opa dran. Der fährt die Autos sogar mit Anhänger.

Ich bin ihre Reiterin. Gemeinsam mit ihr reiten die Pferdchen aus der Kiste um die halbe Welt. Dazu lugt sie in jede kleine Ritze, die sie im Wohnzimmer findet. Opa ist ihr Ziel. Sie muss ihm eine ganz dringende Nachricht bringen, erklärt sie mir wichtig. Der Opa ist nämlich der beste Zuhörer. Niemand kann das so gut wie er.

Ich bin ihre Frisörin. Sie bringt die Haargummis und lässt es dann königlich, gnädig geschehen, dass ich ihr zwei Zöpfchen in die blonden Haare flechte. Dass sie schief sind ist völlig unwichtig. Der Opa muss das Werk gut beachten und dann ein Foto davon machen.

Ich bin ihre Vorleserin. Sie sucht sich ein Buch aus und will auf meinen Schoß. Gemeinsam zählen wir Zwerge, Sterne, Kuchen, Kätzchen, Bäume und viele andere Dinge. Bis sie samt Buch auf Opas Schoß klettert und alles von vorne losgeht. Der Opa kann das besser …

Nach dem Abendbrot muss ich leider die Königin in den Alltag zurückholen. „Ab ins Bad und fertig machen. Die Mutti kommt gleich.“

Gehorsam folgt sie mir. Sie putzt ihre Zähne und wäscht sich die Hände. Dann trocknet sie sich ab und reicht mir das Handtuch. „Oma. Ich bin fertig. Wir können jetzt heiraten.“

„Hm … Aber die Oma ist doch schon verheiratet. Weißt du auch mit wem?“ Ich hänge das Handtuch auf und gehe in die Hocke um sie anzusehen.

Sie überlegt kurz. „Mit dem Opa. Dann heirate ich eben den. Aber nicht so alt. Der muss neu sein.“

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Kindermund tut Wahrheit kund, sagt man. Hast du so etwas auch schon einmal erlebt? Schreib mir doch gerne deine Geschichte in den Kommentar.

Die hoch in den 80er Jahren lebende Dame sitzt vor mir im Rollstuhl. Die lichten grauen Haare sind frisch gefärbt und nett frisiert worden. Für das heutige Fest ist sie passend und hübsch angezogen.

Gerade hat sie freudestrahlend ihr Geschenk in Empfang genommen, das sich in einer Papiertüte befindet. Dabei blitzt der übrig gebliebene obere Schneidezahn zwischen ihren Lippen hervor. Eine Prothese trägt sie nicht. Laut ihrer eigenen Meinung kann sie nämlich mit ihren kräftigen Backenzähnen noch alles gut beißen.

Ich schiebe sie in ihr Zimmer, nach dem sie jetzt lautstark verlangt.

Plötzlich ruft sie: „Halt“ und fixiert mit einem Ruck die Bremse an ihrem Rollstuhl. Abrupt muss ich stehen bleiben.

„Alles in Ordnung“, frage ich und wende mich ihr zu.

„Ja, ja.“ Sie greift eifrig mit der einen Hand in die Tüte, in der sich ihr Geschenk verbirgt. Den hübschen Kalender mit Tiermotiven zieht sie achtlos heraus und wirft ihn auf ihr Bett.

Ich räume den Kalender an seinen Platz und frage: „Brauchen Sie mich noch? Kann ich jetzt gehen?“

Die alte Dame packt mich am Ärmel und zieht mich zu sich heran. „Nein. Du sollst noch etwas von mir bekommen!“

‚Oh‘, denke ich, und warte geduldig auf die Dinge, die da kommen sollen.

Sie legt den Kopf schräg und linst in die Geschenktüte auf ihrem Schoß. Sie hat eine eingepackte, dicke Schokoladenpraline entdeckt und zieht sie heraus. Dabei gleitet ihr die Tüte auf den Boden. Umständlich entfernt sie nun das Glitzerpapier, das drumherum gewickelt ist.

Endlich kommt der Inhalt zum Vorschein. Sie hält es mir hin und sagt: „Mach das hier mal in die Hälfte.“

Ich nehme das Stück Schokolade zwischen die Finger und versuche zwei Teile daraus zu machen. Aber es ist so hart, dass es nicht bricht. Dafür zerläuft die braune Flüssigkeit und verteilt sich auf meine Hände. Mein Bedürfnis, mir die Hände zu waschen, drängt sich stark in den Vordergrund.

Fasziniert beobachtet die Seniorin meine Bemühungen. Jetzt nimmt sie mir mit einem Ruck die Schokolade aus den Händen. Dabei sagt sie: „Na, Mädchen. Lass mich das mal machen!“

Ich kann nicht so schnell gucken, wie das Stück Schokolade in ihrem Mund verschwindet. Sie beißt es mit ihren Backenzähnen auseinander, nimmt es wieder heraus und reicht mir die Hälfte. „Hier. Das ist für dich.“ Ihre eigene Hälfte schiebt sie sich wieder in den Mund und zerbeißt sie genüsslich.

Bevor ich mich schnell entferne, reiche ich ihr noch eine Serviette, damit sie die Schokoladenreste aus ihren Mundwinkeln abwischen kann.

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Hast du etwas ähnliches auch schon erlebt? Schreib mir doch gerne einen Kommentar.

Urlaub mit der Familie in Schweden. Der heutige Tag ist wie geschaffen dafür, dass wir mit den Kindern einen Ausflug machen. Die Sonne scheint und ein laues Lüftchen bewegt die spätsommerliche Luft. Wir wollen zum See. Nicht etwa an den langweiligen, Strand auf dieser Seite, wo unser Camp mit den Schwedenhäusern ist, sondern auf die anderen Seite. Dort soll der Sand viel feiner sein. Und so viele Leute wie hier soll es auch nicht geben. Viel stiller sei es dort auch und man könne vom Waldrand aus fast direkt ins Wasser, so der Geheimtipp eines Einheimischen.

Ruhe. Das ist ein Wort, das mich magisch anzieht, denn ich will dem Lärmen der Gruppe aus dem Weg gehen, mit der wir unterwegs sind. Das bedeutet aber, dass wir mit dem Kanu auf die andere Seite fahren, denn anders ist dieser geheime Platz nicht erreichbar.

Kanu fahren. Das ist doch kein Problem für meinen Mann und mich. Wir sind schon oft gefahren und deshalb ein eingespieltes Team. Also werden unsere 4 Kinder entsprechend eingekleidet. Schwimmwesten sind Pflicht, da gibt es keine Diskussion. Weder von der vierjährigen Jüngsten, noch von der zehnjährigen Ältesten. Wir als Eltern sind natürlich Vorbild und ziehen auch welche an.

Ich packe noch ein bisschen Proviant ein, damit wir länger wegbleiben können und trotzdem keines von uns am Hungertuch nagen muss. Dann noch die Badesachen, ein paar Handtücher und für alle Fälle für jeden eine Regenjacke. Aber das nur aus reiner Gewohnheit.

Mein Mann steht auf zwei Paddel gelehnt beim Kanu am Steg und beaufsichtigt die Kinder, bis ich aus unserer Behausung auftauche. Dann machen wir uns startklar.

Die Transporttonne wird voll und wir müssen noch etwas drücken, so dass auch das letzte Handtuch noch hineinpasst. Dann packen wir das Kanu und lassen es ins Wasser. Nacheinander steigen die Kinder ein. Dann reicht mir mein Mann eins der Paddel und ich setzte mich vorne rein. Zum Schluss klettert er auf seinen Platz als Steuermann hinten ins Boot.

Abstoßen, etwas ruckeln und schon gleitet das schnittige Wasserfahrzeug ruhig hinaus auf den wunderschön daliegenden See. Wie schon öfter stelle ich auch jetzt fest, dass unsere Kinder bedeutend weniger quirlig sind, als auf dem Land. Ich mag das, wenn ich merke, wie sich die Schönheit der Natur auf mich legt und still macht.

Getaktet mit den Ruderschlägen meines Mannes ziehe auch ich das Paddel durch das Wasser. Es ist einfach schön.

„Wusstest du eigentlich, dass mir jemand gesagt hat, dass es heute noch ein Gewitter geben soll?“ Die Frage ist an mich gerichtet.

„Nein. Davon hab ich nichts gehört. Auf den Wetterbericht habe ich auch nicht geschaut.“

„Vielleicht hat sich derjenige auch geirrt, der mir diese Information gegeben hat. Der See liegt so wunderbar ruhig vor uns.“

„Möglich. Ich sehe auch schon die kleine Bucht, wo wir hin wollen. Lenke doch bitte etwas mehr nach links.“

Mein Mann lacht. „Bis wir dort sind dauert es noch eine Weile. Da kann ich noch lange warten mit dem links Lenken.“

Die Kinder sind fröhlich und fangen an zu singen. Es ist wunderschön, wie es über den See klingt. Nach einiger Zeit regelmäßigen Paddelns sind wir nahe an der kleinen Bucht. Mit ein paar kräftigen Paddelschlägen kommen wir mit dem Bug weit genug auf die Sandbank, so dass ich leicht als Erste aussteigen kann, ohne nasse Füße zu bekommen. Ich helfe den Kindern nacheinander auch heraus und ziehe dann das Kanu noch ein bisschen weiter aus dem Wasser. Dann reicht mir mein Mann die Transporttonne und steigt ebenfalls aus.

Kaum haben die Kinder festen Boden unter den Füßen, da zappeln sie mehr. Eins will sich schon das Handtuch hinlegen, ein anderes zieht sich schon aus, so dass sie schon im Badeanzug dicht am Wasser steht. Die anderen beiden fangen an zu zanken und rennen in Richtung Wald hintereinander her. Aber heute und hier lasse ich die Kinder machen, was sie wollen. Für viele Dummheiten ist dieser Ort nämlich nicht geschaffen.

In der Zwischenzeit ist die Sonne ein ganzes Stück weiter in den Westen gewandert. Um genau zu sein, steht sie jetzt dort, wo wir nachher wieder hin müssen. Also drüben überm See. Dass sie immer mal wieder von den Wolken verdeckt worden war, hat uns nicht beunruhigt, denn wir wissen ja, dass das in Schweden normal ist. Aber als mich ein paar Regentropfen auf der Haut treffen, werde ich doch unruhig.

„Meinst du, es wird stärker mit dem Regen?“ Ich stubse meinen Mann am Arm, der friedlich in der Sonne döst.

„Eher nicht. Aber wir können jetzt trotzdem wieder nach drüben fahren.“

„Das ist gut. Das machen wir.“ Ich rufe nach den Kindern und gebe Anweisung, sich entsprechend fertig zu machen und die Handtücher wieder in die Transporttonne zu legen. Nebenbei ziehe ich mich auch an und mein Mann bereitet das Kanu wieder vor. Dieses Mal muss er zuerst einsteigen, dann die Kinder und dann ich, denn sonst kommen wir nicht vom Ufer ins Wasser. Wieder auf dem See, nimmt er Kurs auf das andere Ufer.

Plötzlich frischt der Wind auf. Der Regen wird stärker. Ich nehme das Paddel aus dem Wasser und lege es neben mich hin. Dann schraube ich die Transporttonne auf, nehme die Jacken der Kinder heraus und verteile sie entsprechend mit der Bitte, diese anzuziehen.

Da schreit es hinter mir: „Paddel ins Wasser und reingelangt!“ Irgendetwas in der Stimme meines Mannes veranlasst mich, eben das, was er verlangt hat, sofort zu tun.

Jetzt platscht der Regen in Strömen auf uns herunter. Der Wind peitscht den See auf. Ich habe eine schlechte Sicht, denn auf dem See werden tausende Tropfen beim Aufprall auf die Wasseroberfläche zerstiebt. Paddelschlag für Paddelschlag ziehe ich kräftig durch. Es scheint, als würde es länger dauern, als auf der Hinfahrt. Endlich sind wir am Steg beim Camp angekommen. Klatschnass. Wasser im Kanu. Aber die Sonne scheint wieder.

Als am späten Abend die Kinder im Bett sind und wir es uns auf der Schaukel unseres Schwedenhauses gemütlich machen, lassen wir den Tag nochmal an uns vorbeiziehen. Mein Mann zieht mich zu sich heran und ich kuschle mich an ihn. Da fragt er: „Hast du eigentlich gemerkt, dass ich richtig große Angst um dich und die Kinder hatte, als der Sturm auf dem See so heftig war? Die hohen Wellen wären fast ins Boot geschwappt.“

Ich schaue ihn verwundert an. „Nein! Zu keiner Zeit kam mir dieser Gedanke.“

„Wieso eigentlich nicht?“ Aus der Stimme meines Mannes höre ich großes Erstaunen.

„Weißt du. Egal was passiert. Ich kann dir trotzdem immer vertrauen.“

Zart küsst mich mein Mann auf die Stirn und sagt dann leise: „Trotzdem.“

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Hast du auch schon einmal eine Erfahrung gemacht, bei der jemand anderes eine total andere Wahrnehmung hatte? Schreib es mir doch gerne in einem Kommentar.

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Diese Geschichte ist entstanden im Rahmen der Blognacht mit Anna Koschinski.

Das Rezept für den Tassenkuchen sorgt in unserer Familie immer für viel Glück. Und morgen soll es ihn wieder geben. Also stehe ich in der Küche, während mein Mann im oberen Stockwerk dafür sorgt, dass die Kinder mit geputzten Zähnen und gewaschenen Füßen ins Bett gehen.

Wo hatte ich das Rezept nochmal? Ach. Das ist eigentlich so einfach, dass ich es auswendig kenne. Drei Tassen Mehl, zwei Tassen Fanta und eine Tasse Öl. Die Eier und das Backpulver nicht vergessen. Diese Zutaten müssen nicht in eine Tasse.

Alles in eine Schüssel geben und durchmixen. Nein! Halt! Ich wollte doch die doppelte Menge machen, sonst wird der Kuchen zu dünn und der Belag zu dick. Also von allem nochmal so viel. Während das Rührgerät die Zutaten vermischt staubt das Mehl.

„Hatschi.“

„Gesundheit“, ruft eins der Kinder von oben.

„Pst! Du sollst schlafen!“ Mein Mann ermahnt zur Ruhe.

Ich werkle weiter in der Küche herum. Der Teig ist soweit fertig, jetzt wird das Blech mit Backpapier ausgelegt und eingefettet. Mit dem Teigschaber bringe ich jetzt die klebrig süße Masse auf das Blech. Dann nur noch glattstreichen und ab in den Backofen.

In der Zwischenzeit ist es oben still geworden. Auf Zehenspitzen kommt mein Mann die Treppe herunter und macht dann die bis dahin offene Küchentür zu.

„Her mit dem Teig!“ Ich zucke zusammen, als mein Mann diesen Satz mit verstellter Stimme direkt in mein Ohr sagt.

„Bitteschön. Ich hab extra für dich noch ein bisschen am Teigschaber gelassen. Bedien’ dich.“

Während er sich den Teig schmecken lässt, lege ich die Zutaten für den Belag zur Seite. Der Schokoladenguss und die bunten Smarties kommen morgen auf den abgekühlten Teigboden. Dazu sortiere ich die Smarties nach Farben. Je Farbe ein anderes Schüsselchen.

Bald bin ich fertig und habe dann gerade noch Zeit, die Backutensilien abzuwaschen, als der Kuchen schon wieder aus dem Ofen geholt werden kann.

Am nächsten Morgen stehe ich früher auf als sonst, denn der Kuchen muss ja noch fertig gemacht werden. Schnell die Schokolade im Wasserbad flüssig werden lassen und gleichmäßig auf den Kuchen verteilen, bevor sie wieder hart wird. Und dann mit bunten Smarties den Namen und das Alter drauflegen und die Kerzen einstechen.

Jetzt wird es oben in den Schlafräumen lebendig. Das heutige Geburtstagskind weiß, dass es als letztes nach unten kommen soll, ist aber als erstes fertig angezogen.

Schnell noch den Tisch hübsch decken, die Getränke hinstellen und den, in kleine Quadrate geschnittenen, Tassenkuchen in die Mitte plazieren. Schon kommen die Familienmitglieder an und setzen sich. Eins zündet die Kerzen an.

„Du kannst kommen“, rufen wir im Chor und unser Geburtstagskind kommt die Treppe runter. Als sie in der Tür steht fangen wir an zu singen:

„Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.

Wie schön, dass wir beisammen sind, wir gratulieren dir Geburtstagskind.“

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Viele Jahre lang war der Tassenkuchen der Geburtstagskuchen Nummer eins in unserer Familie. Schon wenn abends der süße Geruch durchs Haus zog, freute sich das Geburtstagskind auf den nächsten Tag. Heute gibt es diesen Kuchen nicht mehr bei uns. Wir sind ihm als Familie entwachsen.

Diese Geschichte ist entstanden im Rahmen der Blognacht mit Anna.

Ganz langsam senkt sich die Dämmerung über den hochsommerlichen Kiefernwald. Zusammen mit meiner Mama bewege ich mich zwischen Millionen von Heidelbeerbüschen. Die Finger sind dunkelblau und auch die Hose zeigt manchen Fleck in dieser Farbe.

Seit dem frühen Nachmittag sind wir beide hier und pflücken die kleinen, wunderbar schmeckenden Beeren. Alle wandern in die Körbchen, die Mama und ich mit einem Gürtel um dem Bauch gebunden haben. Im Wald wird keine einzige Beere gegessen. Das ist ungeschriebenes Gesetz.

Wir lieben Heidelbeeren. Und weil wir noch viele andere Menschen kennen, die Heidelbeeren genauso gerne essen wie wir, verkaufen wir die kostbare Ware. 5 DM bekommen wir je 500 g. Das schaffe ich in ungefähr einer Stunde, so mein Erfahrungswert. Und wenn die Kirchenglocke aus dem fernen Tal im Wald zu hören ist, weiß ich, dass wieder eine Stunde vorbei ist.

In der Zeit, in der wir gemeinsam pflücken, sind wir manchmal nahe beieinander. Ein anderes Mal kann es sein, dass wir ein ganzes Stück voneinander entfernt sind. Dann müssen wir uns suchen. Aber das ist gar nicht schlimm, denn wir pflücken in diesem Wald, seit ich mich erinnern kann. Ich kenne mich da aus.

Spätestens nach einer Stunde treffen wir uns an der Stelle, an der wir unsere 5-Kilo-Kiste stehen haben und vorsichtig die Beeren umfüllen. Bei dieser Aktion werden auch gleich die einzelnen Blätter aussortiert, die sich vielleicht ins Körbchen verirrt haben. Aber das ist selten. Mama und ich haben immer das Kompliment bekommen, dass wir sauber arbeiten würden.

Wenn es sich ergibt, nutze ich die Gelegenheit, mit meiner Mama über Dinge zu reden, die mich beschäftigen. Jetzt wo ich 17 Jahre alt bin, ist ein potentieller Heiratskandidat aufgetaucht. Ich schwärme Mama vor, welche guten Eigenschaften dieser junge Mann hat und möchte von ihr wissen, was sie dazu meint. Als sie mir den Spruch sagt:

Wer warten kann, kriegt auch nen Mann. Wer Gott vertraut, wird auch noch Braut,

bin ich zwar nicht begeistert, akzeptiere aber ihren Rat. Ich finde es gut, von der Lebensweisheit meiner Mama zu profitieren. Und was brauche ich mit 17 Jahren schon einen Mann? Da sind noch andere Ziele, die ich zuerst erreichen will. Eine Ausbildung machen zum Beispiel. Oder den Führerschein. Unter anderem deshalb bin ich beim Heidelbeeren pflücken so fleißig. Denn schon seit Jahren sammle ich jeden Groschen, den ich verdienen kann. Auch das Geld, das ich vom Verkauf der Heidelbeeren bekomme. Bald habe ich es beisammen.

Das Ziel vor Augen bücke ich mich weiter für jede kleine Heidelbeere. Ich weiß nicht, wie viele Körbchen ich schon voll gemacht habe. Bald kann ich wegen der zunehmenden Dämmerung nicht mehr viel sehen. Da ruft meine Mama durch den Wald: „Wo bist du? Wir sollten jetzt Schluss machen!“

Ich richte mich auf und drücke mein Kreuz durch. „Hier. Ich komme gleich.“ Schritt für Schritt gehe ich langsam auf unseren Platz zu, wo wir unsere Beeren umfüllen. Nebenbei pflücke ich noch hier und da und fülle im Körbchen die letzten Zentimeter bis zum Rand. Als ich ankomme, sehe ich Mama, deren Körbchen schon übervoll ist und das sie mit einem rotkarierten Männertaschentuch umwickelt hat.

„Na“, frage ich sie. „Hast du schon wieder ein Kipfle dran gemacht?“

„Ja. In der Kiste hat nichts mehr Platz gehabt.“ Sie lächelt. „Komm wir gehen zum Auto.“

Auf dem Weg dorthin sagt sie dankbar, wie immer: „Vergelt’s Gott für jedes Beerlein“

Dort angekommen öffnen wir unsere Gürtel und stellen ganz vorsichtig die volle Kiste und die nicht umgefüllten Körbchen ins Auto hinter den Sitz. Dort werden sie mit einer eigens dafür mitgenommenen kleinen Decke umwickelt, so dass nichts umfällt. Mama weiß um ihre kostbare Fracht und fährt entsprechend nach Hause.

Dort wird genau gewogen und in 500g-Schalen für den Verkauf umgefüllt. Das ungerade, das übrig bleibt, verspeisen wir als Belohnung. Manchmal pur mit etwas Zucker und ein Butterbrot, oder als Heidelbeerquark.

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Anita Arneitz hat zur Blogparade zum Thema Lieblingskräuter & Kräutergeschichten eingeladen. Das Thema hat mich zu dieser Geschichte inspiriert. Denn obwohl die Heidelbeere nicht zu den Kräutern zählt, so hat auch sie eine entzündungshemmende und verdauungsfördernde Heilkraft, von der man nur durch den Genuss derselben profitieren kann.

Gerne teile ich dazu auch mein Rezept von Heidelbeerquark. Es ist eine herrlich erfrischende Kaltspeise an heißen Sommertagen.

500 g Magerquark

ca. 100 ml fettreduzierte Milch

1 Päckchen Vanilliezucker

→ zu einer glatten Masse verrühren

400 g Waldheidelbeeren in ein Sieb füllen,

mit kochendem Wasser kurz übergießen,

abtropfen lassen,

→ in die Quarkmasse geben

und vorsichtig mit einem Löffel einrühren.

Guten Appetit

Ich greife nach der Hundeleine. Schon steht sie da und wedelt mit dem Schwanz. Seit wir unsere Mischlingshündin Leika aus dem Tierheim geholt haben, gehört sie zur Familie. Jeden Vormittag, wenn die Kinder in der Schule sind, ist ihre Zeit. Und meine natürlich auch.

Wie fast immer, so auch heute, will ich mit dem Auto ein Stück aus dem Wohngebiet hinausfahren. Kaum habe ich den Kofferraumdeckel geöffnet, springt sie hinein. Ich setze mich hinters Steuer und nach kurzer Zeit habe ich den Parkplatz am Wandrand erreicht. Von hier aus gehen viele verschiedene Wege, die ich oft als Rundweg mit unserer Leika laufe.

Heute entscheide ich mich, zuerst den Hügelanstieg zu machen. Zügig schreite ich voran. Ich freue mich über die Bewegung, die ich beim Hundespaziergang bekomme. Ich schaue in den Himmel, auf dem kleine weiße Wölkchen von einem leichten Wind bewegt werden. An der Leine ist Leika einmal vor mir und einmal hinter mir. Ganz nach ihrer Gewohnheit läuft sie mindestens viermal so viel Schritte wie ich. Nun ja. Sie hat ja auch vier Beine. 🙂

Als wir auf dem Höhenweg ankommen machen wir eine kurze Schnaufpause. Leika bräuchte es zwar nicht, aber ich. Ich freue mich über die Natur. Weite Ackerflächen liegen vor mir und an den Feldrändern stehen die noch nicht abgemähten Grasstücke in hohen Halmen. Leika ist mit der Schnauze nahe auf dem Boden. Mir scheint, als würde sie die „Zeitung lesen“, die andere Hunde vor ihr hier hinterlassen haben.

Weiter geht es, bis der Weg eine Biegung macht und am Wandrand entlang geht. Rechts neben dem Weg ist ein Graben und die typischen, dort wachsenden Büsche. Holunder, Weißdorn, Schlehe, Heckenrosen und viele Haselsträucher.

Ich lasse Leika an der langen Leine und versinke in meinen eigenen Gedanken. In der Natur zu sein, das erfreut mein Herz und ich kann meine Alltagssorgen loslassen. Die Hündin vor mir macht ihren Zickzackweg und schnuppert mal hier mal dort.

Plötzlich bemerke ich, wie sie ihre Ohren spitzt. Und dann ist sie weg. Ich kann sie nicht mehr sehen. Oder doch? Da guckt gerade noch die oberste Spitze ihres Schwanzes aus dem hohen Gras heraus, das den Graben am Waldrand überwuchert hat.

„Leika“, rufe ich. „Was machst du denn?“ Da springt sie mit einem Satz wieder aus dem Graben heraus. Ich muss herzhaft lachen, als ich sehe, wie der Rest eines Mäuschens in ihrem Maul verschwindet.

„Na denn. Guten Appetit. Lass dir deinen Nachtisch gut schmecken.“

Leika schüttelt sich kräftig das Wasser aus dem Fell und kommt schwanzwedelnd auf mich zu. Sie zeigt ihr typisches Hundegesicht, was wohl heißen soll: „Ich kann gar nichts dafür.“ Dann putzt sie ihre Schnauze an meiner Hose ab und läuft wieder davon.

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Anke Cras hat zur Blogparade aufgerufen mit dem Thema: „Meine unvergesslichsten Tiermomente“. Obige Geschichte war es bei mir. Immer wenn ich daran denke, muss ich schmunzeln und meine Freude von damals wird wieder lebendig. Deshalb passt dieser Beitrag auch zur Blogparade von Lydia Gajewsky. Ihr Thema ist: „Lebensfreude“.