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Die hoch in den 80er Jahren lebende Dame sitzt vor mir im Rollstuhl. Die lichten grauen Haare sind frisch gefärbt und nett frisiert worden. Für das heutige Fest ist sie passend und hübsch angezogen.

Gerade hat sie freudestrahlend ihr Geschenk in Empfang genommen, das sich in einer Papiertüte befindet. Dabei blitzt der übrig gebliebene obere Schneidezahn zwischen ihren Lippen hervor. Eine Prothese trägt sie nicht. Laut ihrer eigenen Meinung kann sie nämlich mit ihren kräftigen Backenzähnen noch alles gut beißen.

Ich schiebe sie in ihr Zimmer, nach dem sie jetzt lautstark verlangt.

Plötzlich ruft sie: „Halt“ und fixiert mit einem Ruck die Bremse an ihrem Rollstuhl. Abrupt muss ich stehen bleiben.

„Alles in Ordnung“, frage ich und wende mich ihr zu.

„Ja, ja.“ Sie greift eifrig mit der einen Hand in die Tüte, in der sich ihr Geschenk verbirgt. Den hübschen Kalender mit Tiermotiven zieht sie achtlos heraus und wirft ihn auf ihr Bett.

Ich räume den Kalender an seinen Platz und frage: „Brauchen Sie mich noch? Kann ich jetzt gehen?“

Die alte Dame packt mich am Ärmel und zieht mich zu sich heran. „Nein. Du sollst noch etwas von mir bekommen!“

‚Oh‘, denke ich, und warte geduldig auf die Dinge, die da kommen sollen.

Sie legt den Kopf schräg und linst in die Geschenktüte auf ihrem Schoß. Sie hat eine eingepackte, dicke Schokoladenpraline entdeckt und zieht sie heraus. Dabei gleitet ihr die Tüte auf den Boden. Umständlich entfernt sie nun das Glitzerpapier, das drumherum gewickelt ist.

Endlich kommt der Inhalt zum Vorschein. Sie hält es mir hin und sagt: „Mach das hier mal in die Hälfte.“

Ich nehme das Stück Schokolade zwischen die Finger und versuche zwei Teile daraus zu machen. Aber es ist so hart, dass es nicht bricht. Dafür zerläuft die braune Flüssigkeit und verteilt sich auf meine Hände. Mein Bedürfnis, mir die Hände zu waschen, drängt sich stark in den Vordergrund.

Fasziniert beobachtet die Seniorin meine Bemühungen. Jetzt nimmt sie mir mit einem Ruck die Schokolade aus den Händen. Dabei sagt sie: „Na, Mädchen. Lass mich das mal machen!“

Ich kann nicht so schnell gucken, wie das Stück Schokolade in ihrem Mund verschwindet. Sie beißt es mit ihren Backenzähnen auseinander, nimmt es wieder heraus und reicht mir die Hälfte. „Hier. Das ist für dich.“ Ihre eigene Hälfte schiebt sie sich wieder in den Mund und zerbeißt sie genüsslich.

Bevor ich mich schnell entferne, reiche ich ihr noch eine Serviette, damit sie die Schokoladenreste aus ihren Mundwinkeln abwischen kann.

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Hast du etwas ähnliches auch schon erlebt? Schreib mir doch gerne einen Kommentar.

Selbstschokolierung

Nein! Nein und nochmals nein. Ich kann das nicht!

Was denn?, fragst du.

Und ich antworte:

Mich selbst belohnen.

Und du fragst dann zurück: „Wo ist denn dein Problem?“

Tja. Und dann muss ich dir etwas ausführlicher von mir erzählen.

Ich gehöre zu den Menschen, die ständig etwas machen müssen und sich selten Ruhe gönnen. Und wenn ich mir Ruhe gönne, dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Dumm, aber wahr.

Nun habe ich in meinem Leben schon wahrlich sehr viele Projekte gut vorangebracht und die allermeisten davon auch erfolgreich beendet. Nur ein Problem habe ich dabei. Ich schaffe es nicht, mich selbst zu belohnen.

Ich habe es versucht mit Schokolade. Hmmmm. Die schmeckt mir zwar, aber die hat die schreckliche Eigenschaft, sich bei mir als Hüftgold anzusammeln.

Ich habe es versucht mit Essen gehen, um mich ein bisschen vom Kochen zu entlasten. Das hat aber leider denselben Effekt wie Schokolade.

Ich habe es versucht mit kleinen Ausflügen an Orte, die ich interessant finde. Oder mit schönen Musicals oder Konzerten. Das macht mir zwar Spaß, aber alleine ist die Freude nur halb so groß.

Ich habe es versucht mit einem entspannenden Duftbad, einem Saunabesuch, oder sogar mit einem ganztägigen Wellnesstag. Das wirkt in dem Moment, ist aber verflogen, sobald es vorbei ist.

Natürlich habe ich dabei immer versucht im Hier und Jetzt zu leben. Klar. Sonst hätte ich es ja schon längst vergessen und es wäre noch nicht mal eine Erinnerung daran zurück geblieben.

Du denkst jetzt bestimmt: Das ist ein echtes Dilemma. Und du hast recht. Denn:

Wenn ich eine wirklich tolle Belohnung gefunden habe,

dann möchte ich sie mit einem anderen Menschen teilen.

Am liebsten natürlich mit meinen Lieblingsmenschen. Aber auch andere Menschen, mit denen ich in einer guten und wertschätzenden Verbindung stehe, kommen in Frage.

So. Und damit bin ich beim zweiten Dilemma, das aus dem ersten entsteht. Ich kann doch meine Lieblingsmenschen nicht dazu zwingen, mit mir gemeinsam meine Belohnung zu erleben! Das würde sich für mich anfühlen, wie wenn ich meine Wünsche auf meine Lieblingsmenschen aufdrücke. Für eine liebevolle und vertrauensvolle Beziehung wäre das für mich kontraproduktiv.

Wie kann ich mich also selbst gut belohnen, ohne dass sich die Belohnung wie eine Katze selbst in den Schwanz beißt?

Hast du einen guten Tipp für mich? Schreibe ihn doch gerne als Kommentar.