Weinrot
Es ist wieder einmal Enkeltag bei mir. Der gemeinsame Stadtbummel mit dem Enkeltöchterchen ist fast vorbei und wir wollen ein Malbuch kaufen. Wir schlendern beim Suchen danach durch die Reihen des großen Supermarktes und finden auch Buntstifte.
„Oma. Zum Malen brauchen wir doch auch Farbstifte, oder?“ Die junge Dame im Vorschulalter zeigt auf einen großen Kasten, auf dem viele Stifte abgebildet sind.
„Natürlich, mein Mädchen. Das brauchen wir. Aber die Oma hat zu Hause noch eine ganz große Schublade voll mit vielen, vielen Buntstiften. Da müssen wir jetzt keine neuen kaufen.“
Die Kleine schaut mich an. „Hast du auch rote Stifte? Ich liebe rote Stifte!“
„Na klar. Bei der Menge an Stiften, die Oma noch hat, sind auch ganz viele rote dabei.“
Das Enkeltöchterchen wählt dann ihr Malbuch aus und klemmt es sich solange unter den Arm, bis wir bezahlt haben. Dann verschwindet das Buch in meiner großen Einkaufstasche, die jetzt von der Kleinen mit wichtiger Mine nach Hause getragen wird. Dabei erzählt sie mir, wie schön die roten Farben sind und dass sie gleich, wenn wir zu Hause sind, ein Bild aus dem Malbuch ausmalen will.
Kaum sind wir zu Hause zur Tür hinein, steuert sie mein Kreativzimmer an. Sie weiß, dort an dem großen Schreibtisch wird gemalt und geschrieben. Da sind auch die vielen versprochenen Buntstifte.
Das Enkeltöchterchen klettert samt der Einkaufstasche auf meinen Bürostuhl. Schwungvoll zieht sie ihr Malbuch heraus und lässt den Rest fallen. Geduldig hebe ich ihn auf und fahre dann den Stuhl ganz nach oben. Mit ein paar Handgriffen räume ich meine eigenen Unterlagen auf die Seite und stelle dann die große Buntstiftkiste vor sie.
Glücklich greift sie hinein und kramt alle roten Stifte heraus, die sie auf Anhieb finden kann. Dann schlägt sie ihr Malbuch auf und fängt an, das erste Bild auszumalen. Kurz schaut sie zu mir auf, sagt: „Toll, Oma“, dann geht das Köpfchen wieder konzentriert auf das Ausmalbild.
Solange sie malt, nehme ich den Rest aus der großen Einkaufstasche und räume die Sachen weg. Zurück beobachte ich sie eine Weile. Dann geht mein Blick auf die große Buntstiftkiste. Ich krame noch ein wenig herum und finde noch einen weinroten Stift. Ich reiche ihn ihr mit den Worten: „Schau mal. Das ist ein wunderschönes Weinrot.“
Mit einem Mal hört die Kleine auf zu malen. Sie legt ihren Stift an die Seite des Buches, die Hände vors Gesicht und fängt herzzerreißend an zu weinen. Ich bin zutiefst erschrocken! Tröstend streiche ich ihr mit der Hand über den Kopf. „Was ist es denn, meine Kleine, das dich so zum Weinen bringt?“
Sie schluchzt immer noch und zieht dann die Nase hoch. Mit Tränen in den Augen erklärt sie mir: „Oma, du hast doch ‚weinrot‘ gesagt. Deshalb muss ich so sehr weinen!“
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Hast du auch schon so etwas lustiges erlebt? Schreib es mir gerne in einem Kommentar.



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