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Gegen 9 Uhr am Vormittag kutschiert sie ihr, gerade mal einen Monat altes, Auto ins Parkhaus. In Gedanken geht sie den Einkaufszettel durch. Das ist nicht viel, überlegt sie. In spätestens einer Stunde müsste ich fertig sein. Dann kann ich noch Fenster putzen und einen Krankenbesuch machen.

Da! Sie hat eine Parklücke erspäht, setzt den Blinker und platziert ihren Neuen punktgenau hinein. Tasche aus dem Kofferraum holen und dann zügig hinein in den Laden, der sich unter dem Parkhaus befindet. Sie ist schnell durch die Reihen gehuscht und hat eingesammelt, was sie braucht. An der Kasse schaut sie auf die Uhr. Etwas mehr als eine halbe Stunde ist vergangen. Da kann ich ja noch kurz zur Bank gegenüber huschen und noch ein bisschen Bargeld abheben. Man weiß ja nie, wenn man überraschenderweise welches braucht.

Gesagt, getan. Die Stunde ist noch nicht um, da ist sie wieder im Parkhaus. Sie bezahlt am Automat und steuert schnurstracks ihr neues Auto an. Schon von Weitem sieht sie etwas unter dem Scheibenwischer an der Windschutzscheibe klemmen. Sie runzelt die Stirn. Was ist denn das? Ein Strafzettel? Nein. Zum Glück nicht. Aber erfreuliches steht nicht auf dem Papier, das aus einem Notizblock ausgerissen zu sein scheint. Sie stellt ihre Einkäufe auf den Boden und liest ihn.

„Es tut mir leid, dass ich beim Ausparken an Ihr Auto gekommen bin. Es sind nur ein paar Kratzer. Ich habe es bei der Polizei gemeldet. Bitte nehmen Sie Kontakt mir mir auf.“ Darunter stand ein Name und eine Handynummer.

Sie geht ums Auto herum. Ärgerlich sieht sie sich die „paar Kratzer“ an der Beifahrertür an. Nun ja. Der Verursacher hatte sich wenigstens zu seiner Tat bekannt. Sie packt ihre Einkäufe in den Kofferraum und tippt die Nummer. Ein älterer Herr ist dran. Er entschuldigt sich noch mehrere Male. Es scheint ihm wirklich peinlich. Schließlich fragt er: „Können wir das ohne Versicherung klären? Ich habe es zwar schon gemeldet, aber wenn der Schaden nicht so hoch ist, wäre es mir lieber, Ihnen die Summe direkt zu überweisen.“

Nicht zu hundert Prozent einverstanden, sagt sie jedoch zu. Immerhin war der Mann ehrlich gewesen. Andere wären vielleicht einfach so davongefahren und hätten sie auf dem Schaden sitzen lassen.

Mit „den paar Kratzern“ fährt sie jetzt aus dem Parkhaus hinaus und steuert die Polizeiwache an. Sie muss sich als Geschädigte dort jedenfalls auch melden. Die nächste halbe Stunde ist sie damit beschäftigt, an der engen Straße, in der sich die Polizei befindet, einen Parkplatz zu suchen. Alles voll. Endlich stellt sie sich vor ein Privatgrundstück auf einen Anliegerparkplatz. Zettel gesucht und in ihre Windschutzscheibe gelegt. „Bin bei der Polizei. Bitte melden, wenn etwas ist“, hat sie draufgeschrieben und ihre Handynummer mit angegeben. Dann nichts wie rein, auf die Wache.

Die Beamtin ihr gegenüber ist völlig irritiert. Von ihrem Fall hat sie keine Ahnung. Nach mehreren Telefonaten mit ihren Kollegen erhält sie die Information, dass es zwar bekannt ist, aber noch nicht im Computersystem eingepflegt. Bis die junge Polizistin ihre Daten und die von dem Verursacher aufgenommen hat, geht die Uhr bereits auf Mittag zu. In Gedanken streicht sie das Fenster putzen. Für den Krankenbesuch hat sie vielleicht noch Zeit.

Endlich ist sie draußen. Zum Glück hat sich niemand bei ihr gemeldet. Erleichtert steigt sie in ihr Auto, das ja nur ein paar Kratzer hat, nimmt ihren Zettel und zerknüllt ihn. Ab nach Hause, denkt sie und parkt galant aus. Auf dem Weg nach Hause knurrt ihr Magen so laut wie ihre Gedanken. Wegen dieser Sache, ist sie ganz aus ihrer Planung gefallen.

Zuhause angekommen verstaut sie die Einkäufe und kocht sich schnell nebenbei eine Suppe. Während sie eine Kleinigkeit isst, überlegt sie, ihre Werkstatt anzurufen. Als der Suppenteller leer ist, wäscht sie ihn kurz ab und räumt ihn weg. Auf der Suche nach ihrem Adressbuch fällt ihr ein, dass es ihre bisherige Werkstatt nicht mehr gibt. Wegen fehlendem Nachfolger und hohem Alter, hat der Senior erst vor kurzem aufgehört. Was nun? Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als eine neue zu suchen. Sie befragt das Internet und erhält mehrere Adressen.

Die Zeit läuft, als sie bei der ersten in der Warteschleife hängt. Endlich erhält sie die Auskunft: „Wir nehmen zur Zeit keine neuen Kunden an. Wir sind schon überlastet. Melden Sie sich ein etwa einem halben Jahr wieder, dann könnte es klappen.“ Nun ja. Sie hat ja noch zwei weitere Nummern, die sie versuchen kann. Bevor sie die jedoch wählt, sagt sie den geplanten Krankenbesuch ab.

Bei der nächsten Werkstatt erhält sie den Bescheid, dass sie erst einmal Fotos schicken soll, von dem Schaden, damit ein Kostenvoranschlag gemacht werden kann. Das könne dauern, war die Mitteilung, denn der zuständige Mitarbeiter sei gerade in Urlaub. Seufzend legt sie auf und versucht die dritte Nummer. Ein freundlicher Mann ist am anderen Ende der Leitung und sagt: „Können Sie gleich vorbeikommen? Wir können dann hier alles regeln.“ Froh sagt sie zu, stellt dann aber fest, dass diese Werkstatt am weitesten weg ist. Das „gleich vorbeikommen“ würde eine halbe Stunde dauern.

Schnell packt sie sich noch etwas zu knabbern und zu trinken ein. Wer weiß, wie lange das dauern wird, überlegt sie und fährt los. Als sie ankommt, empfängt sie derselbe freundliche Mann, wie am Telefon. Mit fachmännischen Blick untersucht er alles. Dann macht er mit seinem Handy Fotos von allen Seiten und erklärt: „Das ist für die Versicherung.“

„Und was würde es kosten?“ Sie schaut ihn fragend an.

„Hm. Bei knapp 2000 Euro könnten wir schon landen.“

„Da muss ich aber zuerst noch einmal mit dem Verursacher sprechen“, antwortet sie etwas geschockt und zieht ihr Handy heraus. Zum Glück erreicht sie den älteren Herrn vom Vormittag gleich. Auch er ist überrascht. Dann sagt er: „Bei dieser Summe, müssen wir es doch über meine Versicherung regeln.“ Er gibt ihr noch die Schadensnummer durch. Der nette KFZ-Mechaniker notiert diese auf einem Notizblock und reicht ihr dann das Papier, das er für sie ausreißt.

Als er es ihr reicht, sagt er: „Wenn Sie mögen, lassen Sie Ihr Auto hier stehen. Ich werde den Schaden morgen gleich reparieren. Für heute Abend können Sie das Werkstatt-Mietauto mitnehmen, um nach Hause zu kommen. Die Kosten dazu werden ebenfalls über die Versicherung abgerechnet.“

Sie seufzt erleichtert und nimmt das Angebot an. Erschöpft fällt sie am Abend in ihr Bett und denkt: „Was man mit ein paar Kratzer für Arbeit hat, ist allerhand!“

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Hast du auch einmal „nur ein paar Kratzer“ gehabt, die dir dann soviel Arbeit beschert haben oder deine ganze Planung durcheinander gebracht haben? Schreib mir gerne einen Kommentar.

Stoppschild

Schön war der Tag bei den Kindern. Der Motor meiner Nobelkarosse untem Hintern summt leise. Einen Finger der linken Hand habe ich am Lenkrad eingehängt. Mit der rechten Hand dirigiere ich meinen eigenen Gesang, der die laute Musik aus den Lautsprecherboxen begleitet. Bis Mitternacht ist es nur noch eine Stunde. Die werde ich ungefähr brauchen, bis ich wieder zu Hause bin.

Ich mag nächtliche Autofahrten. Da muss ich die Straße nicht mit so vielen anderen Fahrern teilen, mit deren Fahrstil ich manchmal gar nicht einverstanden bin. Aber jetzt bin ich ja auf der B-Straße unterwegs, die die Städte Berlin und Hamburg verbindet. Mein Weg führt durch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Lange Alleen, kilometerweite Wälder. Da kommt mir sowieso nicht viel entgegen. Außer vielleicht das eine oder andere Wild. Aber da hoffe ich doch intensiv, dass es im Wald bleiben möge.

Ups. Was ist denn das?

In der Dunkelheit taucht ein rotes Licht auf. Ich gehe vom Gaspedal. Dann erkenne ich das Wort „Stopp“ das von der Kelle leuchtet, die mir ein Polizist entgegen hält.

War ich zu schnell? Diese Frage schießt mir in Sekundenschnelle durch den Kopf. Ich fahre langsam rechts ran, drehe die Musik leiser und lasse die Scheibe runter.

Der Polizist neben mir mustert mich. „So, junge Frau. Zeigen Sie mal Ihre Papiere“.

Aber klar doch. Das mache ich. Kein Problem. Ich habe immer alles beisammen. Ordnung ist das halbe Leben.

Das Kompliment „junge Frau“ geht mir runter wie Öl. Mit schon fast 40 Jahren Fahrpraxis ist man eben nicht mehr 18 Jahre alt und weiß, dass man auch nicht mehr so aussieht.

Ein zweiter Polizist tritt heran und nimmt dem ersten meine Papiere ab. Er schaut mich kurz an und entfernt sich dann in Richtung Streifenwagen. Der Dagebliebene nimmt mich ernsthaft ins Visier und fragt dann: „Sagen Sie mal, was haben Sie heute Abend getrunken?“

Mit meiner guten Laune versuche ich einen Scherz zu machen. „Also es war mindestens ein großes Glas Klar…es Wasser.“ Der Beamte in Dienst lässt sich kaum ein Lächeln entlocken.

„Na. Dann beweisen Sie mir das mal!“ Er hält mir die Tüte hin, die man beim Alkoholtests für diesen Zweck verwendet. Monoton erklärt er mir die Handhabe. Während sein Kollege mit meinen Papieren zurückkommt, puste ich kräftig in das Röhrchen. Ich bin mir ganz sicher, dass der Zeiger nicht ausschlagen wird. Schließlich weiß ich ja, was ich getrunken habe. Alkohol am Steuer war für mich schon immer tabu. Ich bin ja brav. Dazu brauche ich keine 0,8-Promille-Regelung.

Die beiden Beamten sind zufrieden mit mir und lassen mich weiterziehen. Scheibe hoch. Zurück auf der Straße drehe ich die Musik wieder auf.

Lustiges Erlebnis. Die allererste Alkoholüberprüfung seit ich Auto fahre. Nun ja. Alles ist irgendwann das erste Mal.

Ich grinse ich vor mich hin und fange wieder an zu singen. Durch diese Verzögerung werde ich es bis Mitternacht kaum nach Hause schaffen.

Meine Musik nimmt an Tempo zu. Ich auch. Nur leicht tippe ich das Gaspedal an. Aber schon zeigen sich die PS unter der Motorhaube auf der Geschwindigkeitsanzeige vor mir. So lässt sich wunderbar die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern überschreiten.

Hui. Wie ich durch den Wald sausen kann. Das macht richtig Spaß. Achtung, liebes Wild, bleib bitte von der Straße weg, denn das könnte dir und mir empfindlich weh tun.

Nach etlichen Kilometern bemerke ich rechts und links vereinzelt Häuser.

War da ein Ortsschild, oder kommt das erst?

Da zerreißt ein blau-weißer Blitz den Nachthimmel.

Was war das?

Nur wenige Augenblicke später sehe ich zum zweiten Mal in den letzten Minuten dieses Tages eine Kelle mit dem roten Stopp-Schild. Wieder ranfahren. Wieder die Papiere zeigen.

Der eine Kollege aus dem Polizistenteam baut sich neben meiner Fahrertür auf. Mit tiefer, kratziger Stimme sagt er: „Gute Frau! Fast doppelt so viel Geschwindigkeit wie erlaubt. Das wird teuer. Das kann ich Ihnen sagen.“ Ich zucke die Schultern.

Heute kann mir keiner mehr die gute Laune verderben.

Auch hier versuche ich einen Scherz. „Tja. So etwas passiert eben, wenn man um kurz vor Mitternacht nicht damit rechnet, dass innerhalb von wenigen Kilometern gleich zweimal ein Team von Ihnen am Straßenrand steht.“

Der Beamte verzieht keine Mine, hebt aber den Zeigefinger. „Sie sollen sich zu jeder Zeit im Straßenverkehr korrekt an die Regeln halten und nicht nur, wenn die Gefahr besteht, erwischt zu werden.“

Ich versuche noch einmal, den Polizisten aus seiner Reserve zu locken.

So humorlos kann er doch nicht sein!

„Sagen Sie mal. Ich habe bis nach Hause noch ungefähr 40 Kilometer zu fahren. Sind unterwegs auf meiner Strecke eigentlich noch mehr von Ihnen? Ich würde dann gerne rechtzeitig runterbremsen.“

Endlich sehe ich einen leichten Schalk in den Augen des Polizisten. „Also so etwas Unbelehrbares ist mir in meinem ganzen Dienstleben noch nicht vorgekommen! Ich wünsche Ihnen gute Fahrt. Und halten Sie sich an die Regeln!“

Damit winkt er mich an sich vorbei. Weit nach Mitternacht bin ich endlich zu Hause.

Als einige Wochen später der blaue Brief vom Ordnungsamt kommt, zahle ich die hohe Eurosumme mit Genugtuung. Im Verwendungszweck der Überweisung steht: Extra Spende für extra Leistung.

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Und du? Bist du auch einmal mit der Polizei in Konflikt geraten? Schreibe es mir gerne in den Kommentar.

Diese Geschichte entstand im Rahmen der Blognacht.